Umschuldungskredit: Schulden neu ordnen und sparen

Eine Umschuldung ersetzt einen oder mehrere laufende Kredite durch einen neuen. Das lohnt sich, wenn der neue Effektivzins niedriger ist — oder wenn aus mehreren Raten eine überschaubare werden soll. Beides lässt sich vorher ausrechnen.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Du die Rechnung aufmachst, welche Kosten dabei anfallen und wann sich der Wechsel wirklich lohnt.
Die drei Gründe für eine Umschuldung
Zinsvorteil. Der klassische Fall: Ein alter Kredit läuft zu acht Prozent, das aktuelle Marktniveau liegt bei rund sieben. Die Differenz wird zur Ersparnis.
Dispo ablösen. Der wirksamste Hebel überhaupt. Dispozinsen liegen regelmäßig im zweistelligen Bereich, ein Ratenkredit derzeit bei rund sieben Prozent. Bei 4.000 Euro Dauerüberziehung sind das über ein Jahr schnell 200 Euro Unterschied — und der Ratenkredit hat einen festen Tilgungsplan, den der Dispo nicht kennt.
Mehrere Kredite bündeln. Statt drei Raten an drei Gläubiger eine an eine Bank. Das schafft Übersicht und senkt oft die Gesamtbelastung, weil die Laufzeit neu gestreckt wird — Vorsicht, dabei können die Gesamtkosten steigen.
Was eine Umschuldung kostet
Die Ablösung eines laufenden Kredits ist nicht kostenlos, aber gedeckelt. Nach § 500 Abs. 2 BGB darfst Du jederzeit vorzeitig zurückzahlen. Die Bank darf dafür eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen, die § 502 BGB begrenzt:
- Höchstens 1 Prozent des vorzeitig zurückgezahlten Betrags
- Höchstens 0,5 Prozent, wenn die Restlaufzeit unter einem Jahr liegt
- Nie mehr als die Zinsen, die bis zum regulären Ende noch angefallen wären
Bei einer Restschuld von 8.000 Euro sind das also maximal 80 Euro. Diese Summe muss die Ersparnis übersteigen — sonst lohnt sich der Wechsel nicht.
Die Rechnung im Beispiel
Ausgangslage: Ein Kredit mit 8.000 Euro Restschuld, 36 Monate Restlaufzeit, 9,5 Prozent Effektivzins. Der neue Kredit läuft zum aktuellen Durchschnitt von 6,93 Prozent.
| alter Kredit | neuer Kredit | |
|---|---|---|
| Restschuld | 8.000 Euro | 8.000 Euro |
| Laufzeit | 36 Monate | 36 Monate |
| Effektivzins | 9,50 % | 6,93 % |
| Monatsrate | 256,26 Euro | 246,76 Euro |
| Zinskosten | 1.225 Euro | 883 Euro |
Die Zinsersparnis beträgt 342 Euro. Davon geht die Vorfälligkeitsentschädigung von höchstens 80 Euro ab — unter dem Strich bleiben rund 262 Euro. Der Wechsel lohnt sich.
Als Faustregel gilt: Ab etwa einem Prozentpunkt Zinsunterschied und mindestens einem Jahr Restlaufzeit rechnet sich eine Umschuldung meist. Darunter wird es knapp.
Welche Kredite sich umschulden lassen
Umschulden lässt sich fast jeder bestehende Kreditvertrag. Der Aufwand und der mögliche Gewinn unterscheiden sich allerdings erheblich:
| Bestehender Kredit | Umschuldung sinnvoll? | Was zu beachten ist |
|---|---|---|
| Ratenkredit | häufig ja | Vorfälligkeitsentschädigung höchstens 1 % |
| Mehrere kleine Kredite | fast immer | Eine Rate statt vieler, oft niedrigerer Zinssatz |
| Dispositionskredit | fast immer | Der Zinssatz liegt meist im zweistelligen Bereich |
| Autokredit | je nach Zinssatz | Fahrzeugbrief liegt bei der Bank, Ablösung klären |
| Baufinanzierung | am Ende der Zinsbindung | Nach zehn Jahren entschädigungsfrei kündbar |
| Kreditkartenschulden | fast immer | Teilzahlungsfunktion ist besonders teuer |
Am größten ist der Gewinn dort, wo der bestehende Zinssatz am höchsten ist: beim Dispo und bei der Teilzahlungsfunktion von Kreditkarten. Wer einen Dispo von 5.000 Euro dauerhaft ausschöpft, zahlt im zweistelligen Bereich — ein Umschuldungskredit zum Marktdurchschnitt halbiert die Zinslast oft.
Der Verwendungszweck „Umschuldung“
Beim Antrag für den neuen Kredit gibst Du als Verwendungszweck „Umschuldung“ oder „Ablösung bestehender Kredite“ an. Das ist kein Nachteil, im Gegenteil: Viele Kreditgeber bieten für diesen Verwendungszweck bessere Konditionen als für die freie Verwendung, weil das Risiko kalkulierbarer ist — die monatliche Belastung sinkt schließlich.
Wichtig ist, dass die Ablösung tatsächlich erfolgt. Manche Banken überweisen die Kreditsumme direkt an den alten Kreditgeber, andere zahlen an Dich aus und verlangen anschließend einen Nachweis. Kläre das vor Vertragsschluss: Wer die neue Kreditsumme nicht zur Ablösung verwendet, hat am Ende zwei laufende Verträge statt einem.
Fordere beim alten Kreditgeber vorab eine Ablösesumme zum Wunschtermin an. Sie enthält die Restschuld, die bis dahin aufgelaufenen Zinsen und eine mögliche Vorfälligkeitsentschädigung. Erst mit dieser Zahl lässt sich rechnen, ob sich die Umschuldung lohnt.
Die Falle bei der Laufzeitverlängerung
Viele Umschuldungsangebote werben mit einer deutlich niedrigeren Monatsrate. Der Grund ist oft nicht der bessere Zins, sondern die längere Laufzeit — und die kostet.
Dieselben 8.000 Euro über 60 statt 36 Monate zu 6,93 Prozent: Die Rate sinkt auf 158,15 Euro, was monatlich stark entlastet. Die Zinskosten steigen dabei aber auf 1.489 Euro — also 605 Euro mehr als bei 36 Monaten und sogar mehr als beim alten, teureren Kredit.
Vergleiche deshalb immer den Gesamtbetrag, nicht die Rate. Wenn Du die niedrigere Rate wirklich brauchst, ist das legitim — Du solltest nur wissen, was sie kostet.
So gehst Du vor
- Restschuld erfragen. Die Bank nennt Dir den Ablösebetrag zu einem Stichtag, inklusive Vorfälligkeitsentschädigung.
- Schufaneutral vergleichen. Eine Konditionenanfrage beeinflusst den Score nicht, eine verbindliche Kreditanfrage schon.
- Gesamtbeträge gegenüberstellen, nicht die Raten. Nur so siehst Du, ob der Wechsel wirklich spart.
- Umschuldung als Zweck angeben. Viele Banken lösen den alten Kredit direkt ab und überweisen den Rest — das ist sauberer, als das Geld selbst weiterzuleiten.
- Erst kündigen, wenn der neue Kredit zugesagt ist. Sonst stehst Du ohne Finanzierung da.
- Restschuldversicherung prüfen. Bei der Ablösung kann eine Teilerstattung der Prämie fällig sein.
Der ablösende Kredit ist ein ganz normaler Privatkredit — meist als Online-Kredit abgeschlossen, weil der Zins dort niedriger liegt. Was eine typische Ablösesumme monatlich bedeutet, rechnet 20.000 Euro Kredit vor.
Wann sich eine Umschuldung nicht lohnt
Wenn die Restlaufzeit kurz ist, bleibt kaum Zinsvolumen zum Sparen. Wenn Deine Bonität sich verschlechtert hat, bekommst Du womöglich keinen besseren Zins. Und wenn die Rate schon jetzt kaum tragbar ist, löst eine Umschuldung das Grundproblem nicht — sie verschiebt es.
In dem Fall ist eine kostenlose Schuldnerberatung der bessere Weg. Die anerkannten Stellen der Verbraucherzentralen und Wohlfahrtsverbände verhandeln mit Gläubigern und prüfen, ob ein außergerichtlicher Einigungsversuch sinnvoll ist.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Umschuldungskredit?
Ab wann lohnt sich eine Umschuldung?
Wie hoch darf die Vorfälligkeitsentschädigung sein?
Wie gehe ich vor?
Was passiert mit einer Restschuldversicherung?
Ab wann lohnt sich eine Umschuldung?
Was kostet die vorzeitige Ablösung?
Kann ich meinen Kredit einfach kündigen?
Lohnt es sich, einen Dispo umzuschulden?
Warum ist die neue Rate so viel niedriger?
Kann ich mehrere Kredite zusammenfassen?
Was, wenn ich keinen besseren Zins bekomme?
Aktuelle Kreditzinsen in Deutschland
| Laufzeit / Zinsbindung | Effektivzins p. a. |
|---|---|
| Alle Konsumentenkredite | 8,23 % |
| Zinsbindung bis 1 Jahr | 6,35 % |
| Zinsbindung über 1 bis 5 Jahre | 7,05 % |
| Zinsbindung über 5 Jahre | 9,00 % |
Durchschnittliche Effektivzinssätze im Neugeschäft deutscher Banken, Stand Juli 2026 (vorläufiger Wert). Quelle: Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik. Es handelt sich um Durchschnittswerte — Dein persönlicher Zinssatz hängt von Bonität, Laufzeit und Anbieter ab.