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Umschuldungskredit: Schulden neu ordnen und sparen

Infografik: Umschuldungskredit — 9,50 % alter Kredit, 6,93 % neuer Kredit, 1 % Vorfälligkeitsentschädigung · § 502 BGB.

Eine Umschuldung ersetzt einen oder mehrere laufende Kredite durch einen neuen. Das lohnt sich, wenn der neue Effektivzins niedriger ist — oder wenn aus mehreren Raten eine überschaubare werden soll. Beides lässt sich vorher ausrechnen.

Dieser Ratgeber zeigt, wie Du die Rechnung aufmachst, welche Kosten dabei anfallen und wann sich der Wechsel wirklich lohnt.

Die drei Gründe für eine Umschuldung

Zinsvorteil. Der klassische Fall: Ein alter Kredit läuft zu acht Prozent, das aktuelle Marktniveau liegt bei rund sieben. Die Differenz wird zur Ersparnis.

Dispo ablösen. Der wirksamste Hebel überhaupt. Dispozinsen liegen regelmäßig im zweistelligen Bereich, ein Ratenkredit derzeit bei rund sieben Prozent. Bei 4.000 Euro Dauerüberziehung sind das über ein Jahr schnell 200 Euro Unterschied — und der Ratenkredit hat einen festen Tilgungsplan, den der Dispo nicht kennt.

Mehrere Kredite bündeln. Statt drei Raten an drei Gläubiger eine an eine Bank. Das schafft Übersicht und senkt oft die Gesamtbelastung, weil die Laufzeit neu gestreckt wird — Vorsicht, dabei können die Gesamtkosten steigen.

Was eine Umschuldung kostet

Die Ablösung eines laufenden Kredits ist nicht kostenlos, aber gedeckelt. Nach § 500 Abs. 2 BGB darfst Du jederzeit vorzeitig zurückzahlen. Die Bank darf dafür eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen, die § 502 BGB begrenzt:

  • Höchstens 1 Prozent des vorzeitig zurückgezahlten Betrags
  • Höchstens 0,5 Prozent, wenn die Restlaufzeit unter einem Jahr liegt
  • Nie mehr als die Zinsen, die bis zum regulären Ende noch angefallen wären

Bei einer Restschuld von 8.000 Euro sind das also maximal 80 Euro. Diese Summe muss die Ersparnis übersteigen — sonst lohnt sich der Wechsel nicht.

Die Rechnung im Beispiel

Ausgangslage: Ein Kredit mit 8.000 Euro Restschuld, 36 Monate Restlaufzeit, 9,5 Prozent Effektivzins. Der neue Kredit läuft zum aktuellen Durchschnitt von 6,93 Prozent.

alter Kredit neuer Kredit
Restschuld 8.000 Euro 8.000 Euro
Laufzeit 36 Monate 36 Monate
Effektivzins 9,50 % 6,93 %
Monatsrate 256,26 Euro 246,76 Euro
Zinskosten 1.225 Euro 883 Euro

Die Zinsersparnis beträgt 342 Euro. Davon geht die Vorfälligkeitsentschädigung von höchstens 80 Euro ab — unter dem Strich bleiben rund 262 Euro. Der Wechsel lohnt sich.

Als Faustregel gilt: Ab etwa einem Prozentpunkt Zinsunterschied und mindestens einem Jahr Restlaufzeit rechnet sich eine Umschuldung meist. Darunter wird es knapp.

Welche Kredite sich umschulden lassen

Umschulden lässt sich fast jeder bestehende Kreditvertrag. Der Aufwand und der mögliche Gewinn unterscheiden sich allerdings erheblich:

Bestehender Kredit Umschuldung sinnvoll? Was zu beachten ist
Ratenkredit häufig ja Vorfälligkeitsentschädigung höchstens 1 %
Mehrere kleine Kredite fast immer Eine Rate statt vieler, oft niedrigerer Zinssatz
Dispositionskredit fast immer Der Zinssatz liegt meist im zweistelligen Bereich
Autokredit je nach Zinssatz Fahrzeugbrief liegt bei der Bank, Ablösung klären
Baufinanzierung am Ende der Zinsbindung Nach zehn Jahren entschädigungsfrei kündbar
Kreditkartenschulden fast immer Teilzahlungsfunktion ist besonders teuer

Am größten ist der Gewinn dort, wo der bestehende Zinssatz am höchsten ist: beim Dispo und bei der Teilzahlungsfunktion von Kreditkarten. Wer einen Dispo von 5.000 Euro dauerhaft ausschöpft, zahlt im zweistelligen Bereich — ein Umschuldungskredit zum Marktdurchschnitt halbiert die Zinslast oft.

Der Verwendungszweck „Umschuldung“

Beim Antrag für den neuen Kredit gibst Du als Verwendungszweck „Umschuldung“ oder „Ablösung bestehender Kredite“ an. Das ist kein Nachteil, im Gegenteil: Viele Kreditgeber bieten für diesen Verwendungszweck bessere Konditionen als für die freie Verwendung, weil das Risiko kalkulierbarer ist — die monatliche Belastung sinkt schließlich.

Wichtig ist, dass die Ablösung tatsächlich erfolgt. Manche Banken überweisen die Kreditsumme direkt an den alten Kreditgeber, andere zahlen an Dich aus und verlangen anschließend einen Nachweis. Kläre das vor Vertragsschluss: Wer die neue Kreditsumme nicht zur Ablösung verwendet, hat am Ende zwei laufende Verträge statt einem.

Fordere beim alten Kreditgeber vorab eine Ablösesumme zum Wunschtermin an. Sie enthält die Restschuld, die bis dahin aufgelaufenen Zinsen und eine mögliche Vorfälligkeitsentschädigung. Erst mit dieser Zahl lässt sich rechnen, ob sich die Umschuldung lohnt.

Die Falle bei der Laufzeitverlängerung

Viele Umschuldungsangebote werben mit einer deutlich niedrigeren Monatsrate. Der Grund ist oft nicht der bessere Zins, sondern die längere Laufzeit — und die kostet.

Dieselben 8.000 Euro über 60 statt 36 Monate zu 6,93 Prozent: Die Rate sinkt auf 158,15 Euro, was monatlich stark entlastet. Die Zinskosten steigen dabei aber auf 1.489 Euro — also 605 Euro mehr als bei 36 Monaten und sogar mehr als beim alten, teureren Kredit.

Vergleiche deshalb immer den Gesamtbetrag, nicht die Rate. Wenn Du die niedrigere Rate wirklich brauchst, ist das legitim — Du solltest nur wissen, was sie kostet.

So gehst Du vor

  • Restschuld erfragen. Die Bank nennt Dir den Ablösebetrag zu einem Stichtag, inklusive Vorfälligkeitsentschädigung.
  • Schufaneutral vergleichen. Eine Konditionenanfrage beeinflusst den Score nicht, eine verbindliche Kreditanfrage schon.
  • Gesamtbeträge gegenüberstellen, nicht die Raten. Nur so siehst Du, ob der Wechsel wirklich spart.
  • Umschuldung als Zweck angeben. Viele Banken lösen den alten Kredit direkt ab und überweisen den Rest — das ist sauberer, als das Geld selbst weiterzuleiten.
  • Erst kündigen, wenn der neue Kredit zugesagt ist. Sonst stehst Du ohne Finanzierung da.
  • Restschuldversicherung prüfen. Bei der Ablösung kann eine Teilerstattung der Prämie fällig sein.

Der ablösende Kredit ist ein ganz normaler Privatkredit — meist als Online-Kredit abgeschlossen, weil der Zins dort niedriger liegt. Was eine typische Ablösesumme monatlich bedeutet, rechnet 20.000 Euro Kredit vor.

Wann sich eine Umschuldung nicht lohnt

Wenn die Restlaufzeit kurz ist, bleibt kaum Zinsvolumen zum Sparen. Wenn Deine Bonität sich verschlechtert hat, bekommst Du womöglich keinen besseren Zins. Und wenn die Rate schon jetzt kaum tragbar ist, löst eine Umschuldung das Grundproblem nicht — sie verschiebt es.

In dem Fall ist eine kostenlose Schuldnerberatung der bessere Weg. Die anerkannten Stellen der Verbraucherzentralen und Wohlfahrtsverbände verhandeln mit Gläubigern und prüfen, ob ein außergerichtlicher Einigungsversuch sinnvoll ist.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Umschuldungskredit?
Ein neuer Kredit, mit dem ein oder mehrere bestehende Kredite abgelöst werden. Sinnvoll ist er, wenn der neue effektive Jahreszins niedriger liegt als der alte — oder wenn aus mehreren monatlichen Raten eine überschaubare werden soll.
Ab wann lohnt sich eine Umschuldung?
Sobald die Zinsersparnis über die Restlaufzeit größer ist als die Vorfälligkeitsentschädigung. Rechne beides in Euro aus, nicht in Prozent. Bei einer Restlaufzeit von mehr als zwölf Monaten und einem Zinsvorteil von mehr als einem Prozentpunkt geht die Rechnung meist auf.
Wie hoch darf die Vorfälligkeitsentschädigung sein?
Bei Verbraucherdarlehen höchstens ein Prozent des vorzeitig zurückgezahlten Betrags, bei einer Restlaufzeit unter zwölf Monaten nur 0,5 Prozent (§ 502 BGB). Bei durch Grundschuld gesicherten Immobiliendarlehen gelten andere, deutlich höhere Beträge.
Wie gehe ich vor?
Ablösesumme beim alten Kreditgeber anfordern, Angebote für den neuen Kredit über den effektiven Jahreszins vergleichen, als Verwendungszweck „Umschuldung“ angeben, den neuen Vertrag abschließen und die Ablösung schriftlich bestätigen lassen. Prüfe zum Schluss, ob der alte Vertrag tatsächlich beendet ist.
Was passiert mit einer Restschuldversicherung?
Sie endet mit dem alten Kredit. Ein Teil der vorausgezahlten Prämie wird erstattet — frage danach ausdrücklich, viele Versicherer zahlen nur auf Anforderung. Für den neuen Kredit brauchst Du keine neue Police abzuschließen; sie ist immer freiwillig.
Ab wann lohnt sich eine Umschuldung?
Als Faustregel ab etwa einem Prozentpunkt Zinsunterschied und mindestens einem Jahr Restlaufzeit. Entscheidend ist die Rechnung: Die Zinsersparnis muss die Vorfälligkeitsentschädigung übersteigen.
Was kostet die vorzeitige Ablösung?
Höchstens ein Prozent des zurückgezahlten Betrags, bei einer Restlaufzeit unter einem Jahr 0,5 Prozent (§ 502 BGB). Bei 8.000 Euro Restschuld sind das maximal 80 Euro. Mehr als die noch anfallenden Zinsen darf die Bank nie verlangen.
Kann ich meinen Kredit einfach kündigen?
Du kannst ihn jederzeit vorzeitig zurückzahlen (§ 500 Abs. 2 BGB) — dafür brauchst Du das Geld, also den neuen Kredit. Kündige deshalb erst, wenn die neue Finanzierung verbindlich zugesagt ist.
Lohnt es sich, einen Dispo umzuschulden?
In aller Regel ja. Dispozinsen liegen meist im zweistelligen Bereich, Ratenkredite derzeit bei rund sieben Prozent. Bei 4.000 Euro Dauerüberziehung macht das über ein Jahr schnell 200 Euro aus — plus der feste Tilgungsplan.
Warum ist die neue Rate so viel niedriger?
Oft nicht wegen des besseren Zinses, sondern wegen der längeren Laufzeit. Bei 8.000 Euro über 60 statt 36 Monate sinkt die Rate um fast 90 Euro — die Zinskosten steigen dabei um über 600 Euro. Vergleiche immer den Gesamtbetrag.
Kann ich mehrere Kredite zusammenfassen?
Ja, das ist ein Hauptgrund für Umschuldungen. Statt mehrerer Raten zahlst Du eine an eine Bank. Achte darauf, dass die Bank die Altkredite direkt ablöst, und prüfe die Gesamtkosten der neuen Laufzeit.
Was, wenn ich keinen besseren Zins bekomme?
Dann lohnt die Umschuldung finanziell nicht. Wenn die Rate trotzdem zu hoch ist, sprich zuerst mit Deiner bisherigen Bank über eine Laufzeitverlängerung oder Ratenpause. Bei überschuldeten Haushalten ist eine kostenlose Schuldnerberatung der richtige Weg.
Durchschnittliche Effektivzinssätze für Konsumentenkredite, Stand Juli 2026 Zinsbindung bis 1 Jahr: 6,35 Prozent. Zinsbindung über 1 bis 5 Jahre: 7,05 Prozent. Zinsbindung über 5 Jahre: 9,00 Prozent. Alle Konsumentenkredite: 8,23 Prozent. Zinsbindung bis 1 Jahr 6,35 % Zinsbindung über 1 bis 5 Jahre 7,05 % Zinsbindung über 5 Jahre 9,00 % Alle Konsumentenkredite 8,23 % Effektivzins p. a. im Neugeschäft, Stand Juli 2026
Für Ratenkredite maßgeblich ist die Zinsbindung von ein bis fünf Jahren (hervorgehoben). Bei längeren Bindungen verlangen Banken deutlich mehr. Quelle: Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik.

Aktuelle Kreditzinsen in Deutschland

Laufzeit / Zinsbindung Effektivzins p. a.
Alle Konsumentenkredite 8,23 %
Zinsbindung bis 1 Jahr 6,35 %
Zinsbindung über 1 bis 5 Jahre 7,05 %
Zinsbindung über 5 Jahre 9,00 %

Durchschnittliche Effektivzinssätze im Neugeschäft deutscher Banken, Stand Juli 2026 (vorläufiger Wert). Quelle: Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik. Es handelt sich um Durchschnittswerte — Dein persönlicher Zinssatz hängt von Bonität, Laufzeit und Anbieter ab.

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