Kontowechsel: Was beim Umzug des Girokontos tatsächlich passiert

Ein Girokonto wird selten gewechselt, obwohl Gebühren, Leistungen und Bedienung erheblich variieren. Der Hauptgrund ist die Vorstellung vom Aufwand: Daueraufträge, Lastschriften, Arbeitgeber, Versicherungen. Seit der Wechsel gesetzlich unterstützt wird, hat sich daran mehr geändert, als viele wissen.
Was die Banken übernehmen müssen
Die neue Bank ist verpflichtet, auf Wunsch die Umstellung zu organisieren. Dazu gehört, Informationen über wiederkehrende Zahlungen von der bisherigen Bank einzuholen und Zahlungspartner über die neue Verbindung zu informieren. Geregelt ist diese Kontenwechselhilfe im Zahlungskontengesetz.
Der Ablauf ist fristgebunden. In der Praxis funktioniert er gut bei Daueraufträgen und Lastschriften und schlechter bei Zahlungspartnern, die Änderungen nur über eigene Portale annehmen.
Wo es regelmäßig hakt
Drei Bereiche machen erfahrungsgemäß Arbeit: Abonnements, die im Kundenkonto des Anbieters hinterlegt sind, Zahlungsdienste mit gespeicherter Bankverbindung und der Arbeitgeber, der die Änderung über die Personalabteilung verarbeitet.
Deshalb lohnt eine eigene Liste. Drei Monate Kontoauszüge durchgehen und alle wiederkehrenden Zahlungen notieren, das dauert eine halbe Stunde und deckt fast alles ab.
Parallel führen statt sofort schließen
Beide Konten sollten einige Wochen nebeneinander laufen, mit einem Restguthaben auf dem alten. So scheitert keine Lastschrift, die noch nicht umgestellt wurde, und Rückläufer mit Gebühren werden vermieden.
Erst wenn über zwei Abrechnungszyklen nichts mehr eingeht, wird geschlossen. Die Schließung selbst ist kostenfrei.
Was die neuen Anbieter anders machen
Digitale Banken verzichten auf Filialen und bieten dafür Anwendungen mit Kategorisierung, Unterkonten und sofortigen Mitteilungen. Die Kontoeröffnung dauert Minuten statt Tage. Unterschiede zeigen sich beim Bargeld, bei der Erreichbarkeit im Problemfall und bei der Einlagensicherung.
Welche Modelle es gibt und worin sie sich unterscheiden, erklärt eine Übersicht mit dem Titel Neobanken erklärt, die auch auf die Lizenzfrage eingeht.
Ein Punkt, der oft übersehen wird, betrifft Verträge mit Bezug auf die Bankverbindung. Mietkautionskonten, laufende Bausparverträge und Ratenzahlungen sind über Jahre gelaufen und tauchen in drei Monaten Kontoauszügen nicht zwingend auf. Ein Blick in die Vertragsordner ergänzt die Liste um genau die Fälle, die später Ärger machen.
Worauf beim Vergleich zu achten ist
Kontoführung, Kosten für Karten, Gebühren für Bargeldabhebungen, Fremdwährungsentgelte und der Dispositionszinssatz. Dazu kommt, ob Bedingungen an Mindesteingänge geknüpft sind, weil das bei wechselnden Einkünften relevant wird.
Ein kostenloses Konto mit teuren Einzelleistungen kann im Jahr mehr kosten als ein Konto mit Grundgebühr und eingeschlossenen Leistungen.
Die Frage der Erreichbarkeit
Im Alltag ist sie unwichtig, im Problemfall entscheidend. Eine gesperrte Karte im Ausland, eine unberechtigte Abbuchung oder ein blockiertes Konto sind Situationen, in denen Wartezeiten schmerzhaft werden.
Ein Blick darauf, welche Kanäle angeboten werden und ob es einen telefonischen Notfallkontakt gibt, gehört deshalb in jeden Vergleich.
Beim Termin lohnt sich außerdem der Blick auf laufende Anträge. Wer gerade einen Ratenkredit oder eine andere Finanzierung beantragt oder einen Mietvertrag abschließt, sollte die Bankverbindung in dieser Zeit nicht wechseln, weil Nachweise über Kontobewegungen dann über zwei Institute zusammengesucht werden müssen.
Wann sich der Wechsel lohnt
Bei wiederkehrenden Gebühren ohne Gegenwert, bei hohen Kosten im Ausland oder wenn die Bedienung im Alltag nicht funktioniert. Wegen eines einmaligen Wechselbonus lohnt er selten, weil die Bedingungen meist an Mindestumsätze geknüpft sind.
Wer wechselt, sollte den Zeitpunkt nicht in eine Phase mit vielen Zahlungen legen, also nicht kurz vor Jahreswechsel oder Umzug.
Häufige Fragen
Muss man beim Kontowechsel alles selbst umstellen?
Nein. Die neue Bank ist verpflichtet, die Umstellung zu organisieren und Zahlungspartner zu informieren. Abonnements in Kundenkonten und Angaben beim Arbeitgeber bleiben aber oft eigene Aufgabe.
Wie lange sollten beide Konten parallel laufen?
Einige Wochen, mindestens über zwei Abrechnungszyklen. So scheitert keine noch nicht umgestellte Lastschrift, und Rückläufergebühren werden vermieden.
Kostet die Schließung des alten Kontos etwas?
Nein. Die Kündigung und Schließung eines Girokontos ist kostenfrei möglich.
Aktuelle Kreditzinsen in Deutschland
| Laufzeit / Zinsbindung | Effektivzins p. a. |
|---|---|
| Alle Konsumentenkredite | 8,70 % |
| Zinsbindung bis 1 Jahr | 6,41 % |
| Zinsbindung über 1 bis 5 Jahre | 7,53 % |
| Zinsbindung über 5 Jahre | 9,37 % |
Durchschnittliche Effektivzinssätze im Neugeschäft deutscher Banken, Stand August 2026 (vorläufiger Wert). Quelle: Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik. Es handelt sich um Durchschnittswerte — Dein persönlicher Zinssatz hängt von Bonität, Laufzeit und Anbieter ab.